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Über Wölfe im Fahrradsattel und die richtige Bekleidung

Nachrichtenmoderator Marc Bator ist begeisterter Radsportler. Der ehemalige Präsident des Hamburger Radsport-Verbands, beleuchtet in seiner wöchentlichen Kolumne am Freitag wichtige Aspekte dieses hervorragenden Gesundheitssports. Diesmal: die richtige Bekleidung.

Na endlich! Der Sommer ist zurück. Die Tage beginnen mit einem zarten Himmelblau und reichlich Sonne in der Hauptstadt. Wenn es zeitlich irgendwie geht, klemme ich mich hinter den Lenker und genieße früh morgens mit den ersten Sonnenstrahlen mein Leben zwischen Rennlenker und Klickpedal. Wie geht’s Ihnen? Waren Sie schon?! Ich meine Radfahren - nicht nur von "A" nach "B" - sondern das große "F" dabei im Hinterkopf? Ein "F" wie Fitness!

 

Darauf sollten Sie achten

Wenn Sie jetzt tatsächlich regelmäßig und schneller fahren wollen, sollten Sie sich auch radsportlich kleiden. Ich will Ihnen jetzt gar nicht etwas von Dresscodes unter ambitionierten Radsportlern erzählen, sondern mal eben berichten, auf was Sie achten sollen, um Spaß zu haben und gleichzeitig Komfort genießen zu können.

 

Dass Sie ohne die passende Kopfbedeckung nicht rollen sollten, haben wir vergangene Woche geklärt. Genauso die wichtige Funktion einer Sonnenbrille, die im Radsport nicht mal getönte Gläser haben muss.

 

Den Allerwertesten schützen

Neben dem Kopf gibt es noch eine ganz besonders schützenswerte Stelle bei jedem Radler. Genau, unseren Allerwertesten. Sitzen und Herumrutschen im Sattel verlangt der weichen Haut einiges ab. Radfahrer haben das - wohl schmerzhaft - schon vor mehr als hundert Jahren herausgefunden und darum Hosen mit eingenähten Polstern getragen.

 

Zwei Radfahrer in Trikot zeigen auf die Polster in ihren Radlerhosen, die sie davor schützen sollen, sich wund zu scheuern.Bestanden diese oft handgefertigten Einsätze bis in Ende der siebziger Jahre noch aus Leder und mussten vor Gebrauch mit Fett eingerieben werden, so gibt es heute Einsätze aus synthetischen, weichen, vor allem aber anatomisch geschnittenen Polstern. Der berühmte "Wolf", den man sich damals oft gefahren hat, ist inzwischen fast ausgestorben. Was das heißt? Es ist schlicht und ergreifend der Ausdruck dafür, wenn sich einer nach längerer Tretfahrt den Hintern wundgerieben hat. Und dennoch: wer lange fährt, benötigt im Radsport unbedingt eine sogenannte Sitzcreme. Damit reiben Sie Popo und Innenseite der Oberschenkel ein, damit der Wolf auch weiter selig schlafen kann.

 

Zugegeben: es fühlt sich das erste Mal etwas komisch an, in solch eine Hose zu steigen, denn sie trägt am Hintern konstruktionsbedingt ein wenig auf und vermittelt einem das Gefühl, als sei man in Windeln gelegt.

 

Haben Sie Mut! Nach wenigen Sekunden sitzt es sich selbst auf härtesten Sätteln komfortabel, denn das Polster dämpft ausgesprochen gut.

 

Und bitte, auch wenn es für Laien verrückt klingt: in einer Radhose tragen Sie niemals eine Unterhose. Sie würde während der Fahrt - beim über den Sattel rutschen - Falten werfen, und genau das wollen Sie ja vermeiden. Der Wolf, Sie wissen schon…

 

Die klassische Radhose hat eine schwarze Farbe. Für Frauen und für Männer. Warum? Man sieht darauf keinen Dreck, bei Regen bleibt sie - im Gegensatz zu hellen Modellen - blickdicht und schwarz lässt sich perfekt mit jedem Oberteil kombinieren.

 

Trikot und Funktionsunterhemd

Apropos Oberteil, noch bevor Sie ins Trikot schlüpfen, gönnen Sie sich ein Unterhemd. Das muss sein! Nicht klassisch weißer Feinripp aus Baumwolle, sondern ein Funktionsunterhemd. Ich will jetzt nicht Werbung für die Bekleidungshersteller machen, solche Teile gibt es auch schon beim Kaffeeröster oder Discounter, aber sie haben den Effekt, dass sie den Schweiß nicht aufsaugen, sondern über ihre Struktur und Fasern weiter an die nächste Bekleidungsschicht, in unserem Fall das Trikot, geben kann. Von hier aus verdunstet der Schweiß an der Außenluft.

 

Unterschiedlichen Designs gängiger Trikots könnte man sicher einige Kolumnen widmen. Von mir nur so viel, vor allem für den Einstieg in den Radsport: Trikots von Profimannschaften, womöglich noch aus der systematischen Doping-Ära, sie sind nicht wirklich zu empfehlen. Es gibt so unendlich schicke Exemplare, ohne großflächige Werbeaufdrucke. Es sei denn, Sie sind bereits Mitglied in einem Radsportverein. Unter gestandenen Radsportlern ist das Tragen eines Vereinstrikots so etwas wie ein Gütesiegel. Aber dazu demnächst mehr…

 

Wichtig noch: ein gutes Trikot hat auf der Rückseite in der Regel drei Taschen. Die hat jeder - auch nach Jahrzehnten im Sattel - nötig. Was da reinkommt? Auch demnächst…

 

Arm- und Beinlinge

Zudem sollte ein gutes Trikot relativ eng sitzen, um sich im Wind nicht aufzublasen. Ergänzen lassen sich Trikot und Hose perfekt mit sogenannten Arm- und Beinlingen. Die werden so bezeichnet, weil sie eben nur jene Körperteile bedecken und kurze Hosen und Trikots blitzschnell in lange "verwandeln" können. Einfach anziehen oder ausziehen, und in der Trikottasche verstauen. Unter Profifahrer sind Arm- und Beinlinge sogar ein Muss.

 

Der Hinweis sei mir gestattet: tragen Sie nie Beinlinge ohne Armlinge. Verzogene Gesichter, gar Gespött auf der Trainingsstrecke entgegenkommender Fahrer wären Ihnen gewiss. Oben Armlinge und unten kurz dagegen - kein Problem.

 

Wind- und Regenjacke

Je nach Witterungsverhältnissen kombinieren Sie Ihre Grundausstattung noch mit einer Windweste oder Windjacke, weil der Fahrtwind selbst den hartgesottenen Sportler schnell auskühlen lässt. Und eine Regenjacke sollte ebenfalls zum Sortiment gehören, um so für fast jeden Fall gut gerüstet zu sein. Schauen Sie sich die Qualität der Regenjacke genau an. Nichts nervt mehr, als wenn der Stoff den Wassermassen nachgibt oder Regen durch die Nähte dringt. Wichtig auch das Packmaß, also wie klein sich die Jacke zusammenknüllen lässt, um in der Trikottasche verstaut zu werden. Nichts ist lästiger, als mit einem Buckel unterwegs zu sein: das Auge fährt ja schließlich auch mit.

 

Soviel Kleidung? Leider ja… Und über gute Schuhe haben wir noch gar nicht gesprochen. Ich weiß, alles auf einmal tut sehr weh im Portemonnaie. Das vielleicht zur Beruhigung: es gibt immer mehr Sonderangebote. Und auch im Radsport gilt. Gebraucht geht auch! Ich bin gespannt, wie Sie sich in Ihrem neuen Outfit fühlen…

 

Also:

Rauf aufs Rad!

Erstellt am 05.09.2014

Autor und Quellen

Autor: Marc Bator

Quelle: Foto: Thorsten Jander

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