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Herbstlaub unterm Fahrradreifen

Nachrichtenmoderator Marc Bator ist begeisterter Radsportler. Der ehemalige Präsident des Hamburger Radsport-Verbands, beleuchtet in seiner wöchentlichen Kolumne am Freitag wichtige Aspekte dieses hervorragenden Gesundheitssports. Diesmal: Vorsicht Herbstlaub.

Es ist amtlich. Der Herbst hat uns eingefangen. Es wird frisch und feucht. Besonders am Morgen heißt es aufpassen: ob auf dem Weg zur Arbeit oder bei Ihren inzwischen vielleicht regelmäßigen Ausfahrten.

 

Ihre Hausrunde

Haben Sie eigentlich schon so etwas wie eine Hausrunde? Die führt nicht um Ihr Zuhause, die Hausrunde meint die am Besten zu erreichende, vor allem aber zu fahrende Trainingsstrecke. Erfahrungsgemäß kann es einige Wochen dauern, bis Sie die passende Strecke gefunden haben.

 

Marc Bator

Gut zu kürzen oder zu verlängern

Und: Idealerweise gibt es darauf Wegpunkte, an denen Sie Ihre Runde sinnvoll erweitern oder aber auch frühzeitig umkehren können, falls starker Regen Sie stört, ohne den gleichen Weg zurückfahren zu müssen. Sollten Sie mitten in der Großstadt wohnen: Viele Hobbysportler nehmen Ihr Rennrad mit in die S-Bahn oder betten es im Kofferraum ihres Autos und fahren damit an den Stadtrand. Das hat einen unschätzbaren Vorteil: Sie können im Auto Wechselbekleidung, Essen und Getränke lagern. Aber bitte nichts Süßes... Mehr über Ernährung und Heißhungerattacken demnächst, leider kann auch ich selten widerstehen.

 

Worauf Sie im Herbst achten müssen

Also rauf aufs Rad. Was ist in den kommenden Wochen besonders wichtig?! Auf herbstfeuchten Straßen wandelt sich das Fahrverhalten unseres heiß geliebten Sportgeräts enorm. Nasser Asphalt ist gar nicht mal so problematisch. Aber alles, was noch oben drauf kommt, wird, wenn mit Feuchtigkeit überzogen, zu einer seifigen Rutschbahn.

 

Gullideckel

Bitte probieren Sie das nicht aus. Selbst wenige Quadratzentimeter Gullideckel reichen schon aus, um sich ohne Vorwarnung auf dem Boden Ihrer Radlerhose wiederzufinden. Sofern Sie den Gullideckel schräg angefahren haben sollten. Ich spreche da aus schmerzhafter Erfahrung. An dieser Stelle: Haben Sie bitte keine Angst vor einem Sturz. In den meisten Fällen bleibt es bei Hautabschürfungen und Prellungen. Je mehr Raum Sie aber einem solchen Szenario in Ihrem Bewusstsein geben, desto mehr verkrampfen Sie, falls es tatsächlich mal passiert...

 

Fahrbahnmarkierungen und Herbstlaub

Auch Fahrbahnmarkierungen, weithin sichtbar durch ihre weiße Farbe - ob Zebrastreifen oder Abbiegerpfeile - verringern enorm den Rollwiderstand und gewähren bei liquidem Überzug leider nur sehr geringe Haftung. Von Straßenbahnschienen und herumliegendem Herbstlaub möchte ich erst gar nicht sprechen.

 

Sicherheit geht immer vor - Tipps

Defensiv und vorausschauend fahren

Kein Radfahren ist auch keine Lösung, so ein geflügeltes Wort unter Radsportlern. Was also tun? Fahren Sie, wie Italien jahrelang Fußball spielte: defensiv. Nehmen Sie bei der geringsten Gefahr Tempo raus, schalten Sie einen Gang zurück, fahren Sie vorausschauend. Heißt, vor allem vor Kurven rollen lassen, die Geschwindigkeit ordentlich verringern, ohne ruckartig zu bremsen. Sicherheit geht immer vor!

 

Sie wollen ja keine Rennen fahren, die finden ab Oktober ohnehin nur im Gelände statt, da schlägt das Herz der Cyclocrosser. Die bügeln auf einem Rennrad mit Stollenreifen auch mal durch tiefen Morast, wenn es sein muss.

 

Was kostet Sie eine defensive Fahrweise? Vielleicht ein wenig Punkte in der Haltungsnote. Vorm Aufwachen im Krankenhaus werden Sie aber damit bewahrt.

 

Hindernissen großzügig ausweichen

Generell sollte Sie Hindernissen großzügig ausweichen, wenn das aufgrund der Verkehrslage nicht möglich ist, verhindern Sie es, darauf zu bremsen und fahren diese nicht gerade in Schräglage an. Kommt es auf dem seifigen Belag dann doch mal zu einer Rutschpartie, verkrampfen Sie nicht, zerren Sie nicht hektisch am Lenker. Versuchen Sie, Ihren Schlingerkurs locker auszusteuern und an den Fahrbahnrand zu rollen...

 

Längeren Bremsweg bei Regen einkalkulieren

Denken Sie aber auch bei Regen immer daran, dass Ihre Bremsen in aller Regel nicht so reagieren wie bei Trockenheit. Die Felgenflanke muss erst trocken gebremst werden, bis der Belag so richtig greift.

 

Wenn Sie auch im Regen gut bremsen wollen, sollten Sie in jedem Fall auf ein Rad mit Scheibenbremsen umsteigen. Die werden immer verbreiteter und vor allem auch günstiger.

 

Reifen wechseln

Apropos Umrüsten - eine Sache ist ganz sicher eine Überlegung wert: das Wechseln der Reifen im Herbst.

 

Spezielle Allwetterreifen besitzen zum einen eine weichere Gummimischung, die die Traktion verbessert, und zum anderen gibt es diese auch in Breiten von 25 oder 28 Millimetern. Das hat den Vorteil, dass sie wiederum mit weniger Luftdruck gefahren werden können, was die Haftung nachhaltig verbessert.

 

Alles klar? Dann steht auch einer Fahrt durch den ersten Herbstregen nichts mehr im Weg. Ihr Schweinehund? Der liegt doch schon seit Wochen an der Leine, oder? Schauen Sie mal nach...

 

Sie glauben gar nicht, wie schön sich nach so einem Training die heiße Dusche anfühlt. Bis nächste Woche!

 

Erstellt am 12.09.2014

Autor und Quellen

Autor: Marc Bator

Quelle: Foto: Thorsten Jander

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