Was ist eine Rachenentzündung (Pharyngitis)?

Eine Pharyngitis ist eine Entzündung der Rachenschleimhäute, die in jedem Lebensalter vorkommt. Kinder sind jedoch am häufigsten betroffen. Die Rachenentzündung entsteht meist im Rahmen einer Infektion der oberen Luftwege.

50 bis 80 Prozent aller Rachenentzündungen sind durch Viren bedingt, am häufigsten durch Rhino- und Adenoviren. Seltener sind Bakterien die Ursache der Rachenentzündung. Die häufigsten bakteriellen Erreger sind Streptokokken.

 

Ist das Immunsystem durch eine Virusinfektion geschwächt, kann es leicht zu einer Sekundärinfektion durch Bakterien kommen. Bei einer durch Streptokokken verursachten Rachenentzündung können auch die Mandeln betroffen sein (Mandelentzündung, Angina tonsillaris).

 

Die Infektion wird von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion, das heißt über Speichelkontakt oder Sekrettröpfchen in der Atemluft, die beim Niesen oder Husten entstehen, übertragen.

 

Welche Beschwerden verursacht die Pharyngitis?

Typische Beschwerden sind Schluckbeschwerden mit Brennen und Kratzen im Hals und bei zusätzlicher bakterieller Infektion meist Fieber. Halsschmerzen dauern durchschnittlich drei bis fünf Tage. Bei Fieber normalisiert sich die Körpertemperatur meistens innerhalb von zwei bis drei Tagen.

 

Die hintere Rachenschleimhaut ist gerötet und angeschwollen. Wenn auf den Seitensträngen gelb-weißliche stecknadelkopfgroße Erhebungen ("Stippchen") zu sehen sind, handelt es sich möglicherweise um eine Mandelentzündung.

 

Wenn Bakterien die Entzündung verursachen, sind die Beschwerden stärker ausgeprägt: Das Fieber steigt höher als bei der durch Viren hervorgerufenen Entzündung und die Halsschmerzen sind stärker, sodass es in der Folge nicht selten zu einer Ess- und Trinkschwäche kommt.

 

Eine Sonderform der akuten Pharyngitis ist die sogenannte Seitenstrang-Angina. Dabei ist auch das lymphatische Gewebe an der Rachenhinterwand mit entzündet.

 

Sind auch die lymphatischen Seitenstränge betroffen, kann sich eine Mittelohrentzündung entwickeln.

 

Welche Komplikationen können auftreten?

Selten kann die Infektion mit Streptokokken ein sogenanntes rheumatisches Fieber mit schweren Schäden an Herz, Gelenken, Gehirn und Haut oder auch an den Nieren (Poststreptokokken-Glomerulonephritis) verursachen.

 

Welche weiteren Erkrankungen können mit einer Rachenentzündung einhergehen?

Die Diphtherie kann ein der Pharyngitis ähnliches Krankheitsbild verursachen. Auch die infektiöse Mononukleose (das Pfeiffer-Drüsenfieber) kann die Beschwerden einer Rachenentzündung verursachen. Die Beläge des Rachens sind dann eher weißlich und es bestehen Lymphknotenschwellungen am ganzen Körper.

 

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?

Die Diagnose kann der Arzt meist beim Blick in den Rachen und anhand der typischen Beschwerden stellen. Besteht der Verdacht auf eine bakterielle Infektion, kann er zur Sicherung der Diagnose einen Abstrich des Rachens vornehmen.

 

Wie wird die Rachenentzündung behandelt?

Zur Linderung der Halsschmerzen kommen schmerzstillende Medikamente zum Einsatz, zum Beispiel Paracetamol oder Ibuprofen. Bei hohem Fieber können die Patienten fiebersenkende Medikamente einnehmen. Bei zusätzlichem Schnupfen, der von Ohrenschmerzen begleitet ist, sollten sie abschwellende Nasentropfen anwenden.

 

Empfohlen wird außerdem viel zu trinken, mit Salzwasser oder Tee zu gurgeln, nicht medizinische Bonbons zu lutschen und Halswickel anzulegen. Es ist jedoch nicht nachgewiesen, dass diese Methoden die Beschwerden lindern.

 

Nicht sinnvoll ist dagegen die Anwendung von Lutschtabletten und Gurgellösungen sowie von Rachensprays, die Lokalantiseptika, Lokalanästhetika oder Antibiotika enthalten, denn auch für diese Mittel ist die Wirksamkeit nicht belegt, sie können aber Nebenwirkungen, insbesondere allergische Reaktionen, hervorrufen.

 

Bei einer bakteriellen Infektion kann eine Antibiotikatherapie erfolgen. Antibiotika lindern die Halsschmerzen kaum, verkürzen aber die Krankheitsdauer um einen bis zwei Tage, sofern eine bakterielle Infektion nachgewiesen ist. Prinzipiell sollten die Patienten Antibiotika so lange einnehmen wie vom Arzt verordnet, auch wenn die Schmerzen bereits nachgelassen haben. 

 

Erstellt am 20.01.2005,

Zuletzt aktualisiert / Aktualität geprüft am 28.05.2014

Autor und Quellen

Autor: Jochen Niehaus

Zuletzt aktualisiert / Aktualität geprüft von: Dr. Judith Neumaier

Quelle: Infektionen des Mundes und der oberen Atemwege. Urban & Fischer Verlag, 2000; Principles of Appropriate Antibiotic Use for Acute Pharyngitis ; CLINICAL PRACTICE GUIDELINE Annals of Internal Medicine 2001; 134:506-508; Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie: "Erkrankungen der oberen Atemwege: · Rhinitis-Pharyngitis-Laryngitis" AWMF-Leitlinien-Register Nr. 026/001; Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM): "Diagnostik von Infektionen des Mundes und der oberen Atemwege (Tonsillopharyngitis)" AWMF-Leitlinien-Register Nr. 067/002 Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI) "Streptokokken (Gruppe A) Infektionen" AWMF-Leitlinien-Register Nr. 048/008, 1998/Illing, S., Claßen, M.: Klinikleitfaden Pädiatrie. 7. Auflage 2006, Urban & Fischer 7. Auflage 2006; Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Leitlinie Halsschmerzen, Stand. Oktober 2009 (http://leitlinien.degam.de/uploads/media/LL-14_Langfassung_ZD.pdf).

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