Was ist eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)?

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) ist eine selten vorkommende Erkrankung, die plötzlich (akut) oder langsam verlaufend (chronisch) auftreten kann. Akute Entzündungen der Bauchspeicheldrüse werden häufig durch übermäßigen Alkoholkonsum und Gallenwegserkrankungen verursacht. Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung wird meist durch chronischen Alkoholmissbrauch hervorgerufen.

Treten Bauchspeicheldrüsenentzündungen wiederholt auf, kann die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) dauerhaft geschädigt werden und gegebenenfalls die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) die Folge sein.

 

Welche Funktion hat die Bauchspeicheldrüse (Pankreas)?

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert Enzyme, die für die Verdauung notwendig sind, sowie Hormone. Ein wichtiges Hormon ist das Insulin, das den Zuckerstoffwechsel reguliert.

 

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein etwa zehn bis 20 Zentimeter langes Oberbauchorgan und befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Magen, Zwölffingerdarm und Milz. Sie wird in einen Kopf-, Körper- und einen Schwanzbereich unterteilt.

 

Die Bauchspeicheldrüse besitzt zwei verschiedene Aufgaben. Zum einen produziert die Verdauungsdrüse (auch exokriner Anteil genannt) täglich etwa 1,5 Liter Pankreassaft. Dieses Sekret besteht aus Wasser, Ionen und Verdauungsenzymen. Über einen Ausführungsgang gibt die Bauchspeicheldrüse das Sekret in den Dünndarm ab, der die Nahrung in die einzelnen Nahrungsbestandteile aufspaltet. Diese verwertet der Körper dann weiter.

 

Der endokrine Anteil der Bauchspeicheldrüse produziert verschiedene Hormone, die den Zuckerstoffwechsel regulieren. Dazu gehört vor allem das Insulin. Dieser Drüsenanteil besteht aus vielen kleinen Zellverbänden, die inselförmig in das übrige Bauchspeicheldrüsengewebe eingebettet sind.

 

Was sind die Ursachen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)?

Die Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) kann viele Ursachen haben. Sie betrifft in Mitteleuropa etwa 5 bis 10 von 100.000 Einwohnern. Man unterscheidet eine plötzlich auftretende, akute Bauchspeicheldrüsenentzündung von einer langsam verlaufenden, chronischen Entzündung. Letzte besteht länger und wird meist durch akute Schübe verschlimmert. Von der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung sind überwiegend Männer betroffen; meist beginnt diese Erkrankung zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr.

 

Die häufigsten Ursachen akuter Entzündungen der Bauchspeicheldrüse sind übermäßiger Alkoholkonsum und Gallenwegserkrankungen. Gallensteine und wiederholte Gallenblasenentzündungen verursachen einen Rückstau von Pankreassaft in die Bauchspeicheldrüse. Dies reizt und schädigt das empfindliche Bauchspeicheldrüsengewebe.

 

Durch ein Anschwellen der einzelnen Zellen der Bauchspeicheldrüse (Ödem) kann der Verdauungssaft nicht in den Bauchspeicheldrüsengang abfließen, sondern tritt in das umliegende Gewebe aus und zerstört dieses. Die Folge ist eine sich ausbreitende Entzündung und eine langsame Selbstverdauung und Auflösung der Bauchspeicheldrüse mit zunehmendem Funktionsverlust dieses lebenswichtigen Organs.

 

Seltenere Ursachen einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung sind Stoffwechselstörungen, Medikamente, Drogen, Virusinfektionen, vererbte Gendefekte oder Organverletzungen nach Unfällen oder Bauchoperationen. Bei einigen Patienten kann keine Ursache gefunden werden.

 

Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung wird in den meisten Fällen, nämlich zu 50 bis 84 Prozent, durch chronischen Alkoholmissbrauch hervorgerufen. Andere Ursachen sind zum Beispiel genetische Faktoren, Stoffwechselstörungen oder eine Autoimmunerkrankung (Autoimmunpankreatitis).

 

Wie äußert sich eine Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Das Leitsymptom einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung sind plötzlich auftretende stärkste Oberbauchschmerzen, die meist gürtelförmig um den Bauch lokalisiert sind. Oft werden sie von massiver Übelkeit und Erbrechen begleitet. Ein Gummibauch mit angespannter Bauchdecke ist typisch für eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung. Auf Druck reagiert der Bauch sehr empfindlich. In seltenen Fällen treten Hautverfärbungen oder Hautveränderungen am Rumpf auf. Im weiteren Verlauf können Fieber, eine Darmlähmung, eine Wasseransammlung im Bauchraum (Aszites), eine Gelbsucht und auch ein Rippenfellerguss auftreten.

 

Man unterscheidet drei Schweregrade der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung:

  • Stadium I (leicht): Akute ödematöse Pankreatitis. Die Bauchspeicheldrüse schwillt durch Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) an. Die Häufigkeit liegt bei etwa 65 bis 85 Prozent. Die Erkrankung heilt in der Regel folgenlos aus.
  • Stadium II (mittelschwer): Akute teilweise nekrotisierende Pankreatitis. Die Häufigkeit beträgt etwa 15 bis 30 Prozent. Bei teilweisem (partiellem) Gewebszerfall (Nekrose) der Bauchspeicheldrüse und bei ein bis zwei Organkomplikationen außerhalb der Bauchspeicheldrüse liegt die Sterblichkeitsrate bei etwa 15 bis 50 Prozent.
  • Stadium III (schwer): Akute nekrotisierende Pankreatitis. Die Häufigkeit beträgt etwa fünf Prozent. Bei totalem Gewebszerfall der Bauchspeicheldrüse (totaler Pankreasnekrose) und mehreren Organkomplikationen außerhalb der Bauchspeicheldrüse beträgt die Sterblichkeit über 50 Prozent.

Komplikationen dieser lebensgefährlichen Erkrankung sind vielfältig. Ein Kreislaufschock oder schockähnliche Anzeichen mit oder ohne Fieber können den Zustand des Patienten verschlimmern. In das abgestorbene Gewebe der Bauchspeicheldrüse können sich Bakterien einnisten, die im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen. Häufig entstehen zudem Eitergeschwüre (Abszesse) oder abgekapselte Flüssigkeitsräume (Zysten) in der Bauchspeicheldrüse als Folge einer akuten Entzündung. Außerdem kann es zum Versagen von Organen wie Leber, Niere und Lunge kommen. Da diese Komplikationen lebensbedrohlich sind, ist eine rechtzeitige und optimale Behandlung wichtig.

 

Leitsymptom einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung ist der immer wiederkehrende dumpfe Oberbauchschmerz, der Stunden bis Tage anhalten und ebenfalls in den Rücken ausstrahlen kann. Folge der Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse sind Verdauungsstörungen, zum Beispiel Blähungen und Durchfall. Im Spätstadium der Erkrankung leiden die Patienten unter einer Mangelverwertung der Nahrung. Es kommt zu voluminösen Fettstühlen, die übel riechen. Die Betroffenen nehmen stark an Gewicht ab und die fehlende Aufnahme der fettlöslichen Vitamine verursacht Vitamin-Mangelerscheinungen.

 

Ist auch der Hormon produzierende Anteil der Bauchspeicheldrüse geschädigt, entwickelt sich eine Zuckerkrankheit, da die Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin produziert.

 

Bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung können dieselben Komplikationen wie bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung auftreten. Zusätzlich kann sich Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickeln.

 

Wie wird die Diagnose einer Bauchspeicheldrüsenentzündung gestellt?

Die typischen Beschwerden der Bauchspeicheldrüsenentzündung lassen den Arzt zusammen mit gezielten Fragen, dem körperlichen Untersuchungsbefund und Blutwerten meist rasch an die Erkrankung denken. Blutuntersuchungen können erhöhte Bauchspeicheldrüsen-Enzyme sowie Entzündungswerte zeigen und weisen zum Beispiel durch angestiegene Gallenwerte oft auch auf die Ursache der Erkrankung hin.

 

Als bildgebende Untersuchung bei Verdacht auf die Erkrankung kommt vor allem eine Ultraschall-Untersuchung infrage. Bei unklarem Ergebnis können auch eine Kontrastmittel-Computertomografie (CT), eventuell mit Darstellung der Blutgefäße des Oberbauches (Angio-CT) oder eine Kernspintomografie (MRT) erfolgen.

 

Möglicherweise ist auch eine Spiegelung und Kontrastmitteldarstellung der Gallen- und Pankreasgänge notwendig. Bei Bedarf wird eine Gewebeentnahme meist unter Ultraschallkontrolle durchgeführt.

 

Bei der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung können Stuhl- oder Blutuntersuchungen Aufschluss über die Arbeit des Organs geben. Außerdem folgt meist eine Ultraschalluntersuchung. Bei unklarem Befund führt der Arzt zusätzlich eine Spiegelung der Bauchspeicheldrüse durch und entnimmt eine Gewebeprobe. Bei Bedarf folgen weitere bildgebende Verfahren wie CT und MRT.

 

Bei Patienten aus Familien, in denen Bauchspeicheldrüsenentzündungen gehäuft vorkommen, können molekulargenetische Untersuchungen hinzukommen.

 

Wie verläuft eine Bauchspeicheldrüsenentzündung unbehandelt?

Eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) ist eine lebensbedrohliche Erkrankung mit vielen möglichen Komplikationen. Rasches ärztliches Eingreifen ist unbedingt notwendig.

 

Wie sieht die Behandlung einer Bauchspeicheldrüsenentzündung aus?

Die Behandlung einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung sowie des akuten Schubes einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung erfolgt im Krankenhaus. In der Akutphase ist oft eine kontinuierliche Überwachung auf der Intensivstation notwendig.

 

Bei einem Teil der Patienten ist zumindest am ersten Tag ein Verzicht auf Nahrungsaufnahme erforderlich, damit die Sekretproduktion der Bauchspeicheldrüse nicht weiter stimuliert wird. Diese Patienten werden komplett über die Venen mit Flüssigkeit und Nährstoffen versorgt. Eine rasche und ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit ist wichtig, um die Kreislaufsituation des Patienten zu unterstützen. Bei leichten Formen erfolgt frühzeitig die Umstellung auf normale Ernährung, am besten mit leicht verdaulicher Kost. Bei schweren Formen bekommen die Patienten oftmals zunächst eine Magensonde, die Umstellung auf normale Ernährung erfolgt erst später.

 

Gegen die oft starken Schmerzen erhält der Patient wirksame Schmerzmittel. Eventuell ist eine Magensonde nötig, um den Magensaft abzuleiten. Bei schwerem Verlauf und zusätzlich auftretenden bakteriellen Entzündungen erhalten Betroffene Antibiotika. Eine operative Entfernung von Teilen des Organs und eine Spülung der Bauchhöhle können bei entzündetem abgestorbenem Gewebe der Bauchspeicheldrüse und weiterer Verschlechterung der Erkrankung nötig sein.

 

Die weitere Behandlung richtet sich nach der Ursache der Erkrankung und deren Folgen. Gallensteine im Gangsystem können eventuell mit einer Spiegelung (Laparoskopie) entfernt werden, Engstellen im Gallen- oder Bauchspeicheldrüsengang können überbrückt werden. Bei Gallensteinen kann die Gallenblase operativ entfernt werden. Alkohol und Nikotin sind strikt zu meiden.

 

Auch bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung ist ein absoluter Alkohol- und Nikotinverzicht anzustreben, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Zigarettenrauchen beschleunigt das Fortschreiten der Krankheit. Mit einer Spiegelung von Magen und Zwölffingerdarm lassen sich Steine im Pankreasgang entfernen oder ein verengter Pankreasgang durch einen sogenannten Stent (kleines Drahtgeflecht) behandeln. Der Pankreasgang lässt sich durch Einbringen eines Stents dauerhaft offen halten. Möglich ist eine Punktion und Ableitung von Flüssigkeitsansammlungen. Auch eine Operation, bei der ein Teil der Bauchspeicheldrüse entfernt wird, kann notwendig sein, zum Beispiel bei schweren Fällen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, wenn bereits viel Gewebe abgestorben ist, oder bei einer Krebserkrankung.

 

Ist die Arbeit der Bauchspeicheldrüse auf Dauer eingeschränkt, erhalten Betroffene Verdauungsenzyme und gegebenenfalls auch die fehlenden Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente. Manchmal erhalten die Betroffenen die Nährstoffe über eine Magensonde.

 

Ein Insulinmangel und eine Zuckerkrankheit infolge der Bauchspeicheldrüsenentzündung erfordern eine Insulintherapie. Auch eine angemessene Schmerztherapie ist für den Patienten wichtig.

 

Erstellt am 14.07.2005,

Zuletzt aktualisiert / Aktualität geprüft am 18.07.2014

Autor und Quellen

Autor: Lydia Kazmierczak; Dr. med. Dirk Nonhoff

Zuletzt aktualisiert / Aktualität geprüft von: Dr. Martina Hoffschulte

Quelle: Hahn, J. M.: Checkliste Innere Medizin. 7. Aufl. Stuttgart: Thieme, 2013 ; Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): S3-Leitlinie Chronische Pankreatitis: Definition, Ätiologie, Diagnostik und konservative, interventionell endoskopische und operative Therapie der chronischen Pankreatitis. (Stand August 2012). URL: www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-003l_S3_Chronische_Pankreatitis_08-2012.pdf (Stand 18.07.2014) ; Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Düsseldorf (Hrsg.): Pankreaschirurgie. URL: www.uniklinik-duesseldorf.de/index.php?id=6091 (Stand 18.07.2014) ; Berufsverband Deutscher Internisten e.V.: URL: www.internisten-im-netz.de/de_was-ist-eine-bauchspeicheldruesenentzuendung_69.html (Stand 18.07.2014) ; Europäisches Pankreaszentrum. URL: www.klinikum.uni-heidelberg.de/Bauchspeicheldruese-Pankreas.100694.0.html(Stand 18.07.2014) ; Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 264. Aufl. Berlin: De Gruyter, 2012.

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